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Die sieben Todsünden beim Outfit

October 12, 2017

»Nenne mir bitte sieben Sünden, die bei der Wahl des persönlichen Outfits niemals begangen werden sollten«, bat mich einmal mein Gesprächspartner am Ende unseres Interviews. Das Wort Sünde schien es ihm besonders angetan zu haben. Ich beschloss daher, mir selbst die Frage zu stellen, ob sich wohl die sieben christlichen Todsünden auf den Gegenstand des »richtigen« Umgangs mit der eigenen Kleidung und der Kleidung anderer anwenden ließen. Mit dem alleinigen Ziel, allen Beteiligten ein möglichst angenehmes Klima im Umgang untereinander zu ermöglichen. Hier das Ergebnis meiner Analyse.
 

 


Eitelkeit
Das »Leben und Sterben vor dem Spiegel« mag die Devise des Dandys sein, in weniger prätentiösen sozialen Kontexten wirst Du auf Widerstände stoßen und Missgunst provozieren. Verzichte als Abteilungsleiter darauf, Deinen Geschlechtsgenossen im Vorstand ästhetisch den Rang ablaufen zu wollen, verkneife Dir im Kreis Deiner Freunde den Anspruch, in modischen Dingen einen Alleinvertretungsanspruch zu besitzen. Ein makelloses Äußeres ruft sündige Neider auf den Plan, und die können einem das Leben wirklich zur Hölle auf Erden machen. Merke: Vermeide allzu dandyhaftes Auftreten, kleide Dich nicht prächtiger, als es der jeweilige Anlass erlaubt.

Neid
Selbst wenn Du Gucci-Taschen scheußlich findst, sollten Du Dir jeglichen Kommentar sparen! Man wird Dich immer für neiderfüllt halten, so sehr Deine Abneigung gegenüber dem jeweiligen modischen Detail auch Ihrem ästhetischen Bewusstsein entspringen mag. Allein der Umstand, dass Du in der Lage bist, Marken wie Prada, Bulgari, Hermès, Gucci, Burberry oder Stone Island zu benennen, wird Dir zum Nachteil gereicht und Deinen Ruf als neidische Person unterstreichen. Merke: Es ist unwürdig, seinen Mitmenschen ihre modischen Accessoires zu neiden, so luxuriös und verschwenderisch diese auch anmuten mögen.

Zorn
Nichts zeugt von weniger Klugheit, als sich auf Kosten anderer zu amüsieren oder diese aufgrund ihres geschmacklosen Äußeren zu kompromittieren. Merke: Enthalte Dich geringschätziger, spöttischer oder gar wütender Kommentare über das äußerliche Erscheinungsbild anderer, selbst dann, wenn Du Dich für eine Koryphäe des guten Geschmacks hältst.

Maßlosigkeit
Nicht jedem ist das Aussehen und der Körper eines Jude Law oder einer Keira Knightley in die Wiege gelegt worden. Kein Grund zu verzweifeln! Ab und zu schadet es nicht, sich mit seiner Unvollkommenheit abzufinden und sich auf das zu konzentrieren, was zu einem passt, was Dir steht. Wer sagt eigentlich, dass Kleidergröße 48/50 das Maß aller Dinge ist? Kein Grund, einen dicken Hals zu bekommen. Und wer ohnehin schon einen hat, der muss eben zum Maßkonfektionär und seinen Kragen weiter machen lassen!

Trägheit
Natürlich wird niemand zu einem »besseren« Menschen, weil er chic oder gar individuell gekleidet ist, und es muss ja nicht gleich der silberne Handschuh eines Karl Lagerfeld sein. Aber dessen verbaler Einwurf im Rahmen eines Interviews mit dem »stern« zum gegenwärtigen urbanen Einheitsbrei ließe sich durchaus als Anregung zu etwas mehr modischem Esprit verstehen: »Heute sehe ich Wintersportmode in der Stadt. Die haben alle lila oder grau-grüne Anoraks an. Man bekommt das Gefühl, dass ein großer Bergsteigerverein die Stadt besichtigt.« - Merke: Achte auf Dein Äußeres. Du musst ja nicht eine Modelkarriere anstreben, aber so ganz sorglos solltest Du mit Deinem eigenen Erscheinungsbild auch nicht umgehen.

Wollust
In einem Interview mit der Modezeitschrift »Vanity Fair« sagte der Top-Modedesigner Tom Ford über Angelina Jolie, sie sähe mit ihren gigantischen Lippen und Brüsten aus wie eine Comicfigur. »Wir haben angefangen zu vergessen, wie echte Brüste aussehen«, so Ford weiter. Der Wunsch nach dem perfekten Äußeren treibt uns zu Höchstleistungen an. Vor lauter wollüstigen Anstrengungen vergessen wir bisweilen, dem wahren Schönen auf die Spur zu kommen. Einem Schönheitsideal, das sich hinter aufgespritzten Lippen, aufgeblasenen Brüsten, aufgepumpten Bizeps und ausgesaugten Oberschenkeln nicht verstecken muss. Als Wolfgang Joop einmal in einem Interview gefragt wurde, welcher Comic-Figur er sich am nächsten fühle, antwortete er, dass ihm dazu eigentlich nur die Figuren von Zille einfielen: »Die können alle über sich selbst lachen.« - Merke: Solange auch wir über uns selbst lachen können, allen zu großen oder zu kleinen Brüsten zum Trotz, solange ist unsere Suche nach wahrer Schönheit nicht vergebens.

Geiz
Geiz ist geil? Hierbei handelt es sich wirklich um eine neumodische Erkenntnis! Noch nie in der Menschheitsgeschichte war der Geiz eine Tugend, sondern immer ein Laster. Zeitzeugen aller Jahrhunderte können dies bestätigen: sei es der Apostel Paulus, der im Geiz die Wurzel allen Übels wähnte oder Adolph Freiherr Knigge, der im Geiz eine der schändlichsten menschlichen Eigenschaften erblickte. Auch in Sachen Kleidung haftete dem Geizigen immer etwas Diabolisches an. Nach Balzac lebt ein solch unglückliches Wesen »am Rande der Genüsse seiner Zeit«, trägt »vergilbte Gehröcke, deren Garn an den Nähten glänzt« und schäbige Westen. Geiz ist und bleibt das Gegenteil von Großzügigkeit, und Letztere ist und bleibt ein maßgebliches Zeichen für gute Manieren!
Wem ständig alles zu teuer, als nicht funktional genug erscheint, wer nicht bereit ist, seine Taler zum Schuster, Schneider oder Hutmacher zu tragen und Preise abseits des Schnäppchens zu zahlen, der mag ein guter Kaufmann sein, dem seine Ausstaffierung nicht einmal unangenehm ist – wie aus dem Ei gepellt wird er niemals aussehen!


 

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