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Sitzprobe in der Stadt der Stühle: Vitra Design Museum

October 17, 2016

Alles begann hier mit einem Stuhl und einer Brandkatastrophe (Phoenix aus der Asche ist nicht zu hochgegriffen) ...und jetzt steht im ansonsten ruhigen Weil am Rhein ganz unten im Ländle ein Dessau 2.0 und die Fortsetzung der Bauhaus-Idee mit den Mitteln und Sichtweisen des 21. Jahrhunderts.

Es war ein mal ein kleines schweizerisches Ladenbaugeschäft der Famillie Fehlbaum dessen Patriarch Willi eine Reise tat - nach New York, Anfang der 1950er Jahre und dort im Kunst- und Designnabel der damaligen Welt traf ihn der Schlag der Erkenntnis mittels eines Stuhlbeines.

Solche genialen Stuhlentwürfe, wie die von Charles und Ray Eames wollte er auch im bräsigen Europa der Nachkriegszeit verticken am besten an die zunehmend reicher werdenden Deutschen und Schweizer...

Lizensen wurden erworben, Entwürfe gemacht, Produktionen aufgebaut und fleißig expandiert vom neunen Standort Weil am Rhein in der neuen BRD grenznah zum vertrauten schweizerischen Heimatgefilde. Die Vitra Stuhlproduktion wuchs und gedieh bis Anfang der 80er Jahre, dann kam fast das Aus aller Träume - eine Brandkatastrophe in einer Möbelfabrik ist meist kolossal, so auch hier.

1981 mit dem neuen Chef Rolf Fehlbaum beginnt der Aufstieg des Phoenix aus der Asche: Vitra erfindet sich neu und beginnt sich zum Design Zentrum zum Vitra Campus zu entwickeln, langsam aber mit Zielstrebigkeit und großen Ambitionen.

1987 wurde dann der inzwischen auf der ganzen Welt bekannte Architekt Frank O. Gehry für den Museumsbau gewonnen. Im gleichen Jahr lernte Rolf Fehlbaum den späteren Direktor des Museums, Alexander von Vegesack, über Ray Eames kennen.

1989 wird das Vitra Design Museum des Architekten Frank O. Gehry eröffnet.
Ein Bau wie Donnerhall, ein gesprengter weißer Kristall, ein Meilenstein der Architekturgeschichte am Ende dieses unsäglichen 20. Jahrhunderts.

Nur vier Jahre später erfolgt der nächste Coup:
Das Feuerwehrgebäude (man lernt aus schlechter Erfahrung) der Irakerin Zaha Hadid.
Wieder ein Meisterwerk, wieder ein Bau für die Geschichtsbücher der Architektur und der Durchbruch einer schon über 40jährigen Novizin auf dem Markt der Stararchitekten: Bauhaus meets Dekonstruktivismus! Ein Gebäude wie ein Pfeil ins Fleisch der üblichen Sehgewohnheiten.

Dann geht es Schlag auf Schlag: Auf Einladung und ohne Ausschreibung geben sich die besten Architekten und Architekturbüros der Welt hier in Weil am Rhein die Klinke in die Hand und bauen was sie sonst nie bauen könnten...und dürften.

Der Konferenzpavillion des Japaners Tadao Ando 1993, das Factory Building von Alvaro Siza, 1994, die Vitra Design Gallery, wieder von Frank O. Gehry, 2003, das VitraHaus von Herzog & von Meuron 2010, die unglaubliche Plexiglashalle von SANAA, 2012 und der witzige Vitra Slide Tower von Carsten Höller, 2014.
Der geneigte Besucher staunt und fühlt sich auf einem anderen (Architektur-) Planeten!

Jederzeit zugänglich während der Öffnungszeiten sind das Museum von Frank O. Gehry mit tollen Wechselausstellungen, der Flagshipstore der Firma im VitraHaus, der einen lieber nicht so sehr an die eigene Inneneinrichtung denken läßt... seufz.... und der Slide Tower.

Unbedingt sollte man/mensch/frau eine Führung über das nichtöffentliche Firmengelände buchen, eine Erfahrung der ganz besonderen Dimension!! Wir haben eine 2-stündige Architektenführung genossen und waren hellauf begeistert. Bei der Buchung nach Arno fragen, er lässt keine Frage unbeatwortet und überrascht mit viel Details, die weit über das normale Hintergrundwissen hinausgehen.

Wenn dann noch Geld im Säckel steckt, kann man sich im VitraHaus-Café mit regionalen Gerichten, Schwarzwälder Schinken, Pilzsüppchen, regionalem Käse und Wein und Bier aus dem zauberhaften Badnerland stärken.

Es ist wirklich sagenhaft, was da architektonisch geschaffen wurde. Viele sagen, es ist ein Tempel moderner Baukunst. Es ist eine dreidimensionale Collage aus Türmen, Rampen und Kuben; ein Anziehungspunkt für Architektur - Fans aus aller Welt. Wir können das hiermit bestätigen.

Zusammenfassend kann man sagen: ein idyllischer und perfekter Ort, um die außergewöhnliche Architektur/ Design/ Kunst zu genießen.

Für Architektur-Fans, oder die es noch werden wollen, gibt es auf der Webseite des Vitra Design Museum weiterführende Info. Reinschauen lohnt sich!

 

Fotos: ©maennerstyle.com

 

 



 

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